Die drei grossen mittelalterlichen Pilgertraditionen: Jerusalem, Rom, Santiago
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Im mittelalterlichen Christentum kristallisierten sich drei Pilgerziele als die bedeutendsten heraus, die sogenannten ‘peregrinationes maiores’: Jerusalem, als Ort von Kreuzigung und Auferstehung Jesu das höchste, aber auch gefährlichste und teuerste Ziel; Rom, als Sitz des Papstes und Ort der Gräber der Apostel Petrus und Paulus; und Santiago de Compostela im äussersten Nordwesten Spaniens, wo der Überlieferung nach die Gebeine des Apostels Jakobus ruhen.
Diese drei Ziele waren nicht gleichrangig, sondern boten unterschiedliche Grade an Ablass (Erlass zeitlicher Sündenstrafen) und waren unterschiedlich beschwerlich zu erreichen. Jerusalem-Pilgerfahrten waren durch die weite, oft durch Kriegsgebiete führende Reise nur wenigen vorbehalten; Rom und Santiago waren für west- und mitteleuropäische Gläubige realistischer erreichbar und entwickelten dichte Netze aus Herbergen, Hospitälern und beschilderten Wegen.
Die Kreuzzüge, die ab Ende des 11. Jahrhunderts einsetzten, sind eng mit dieser Pilgertradition verwoben – ausgelöst auch durch das Bedürfnis, den Zugang christlicher Pilger nach Jerusalem militärisch zu sichern. Das zeigt, wie eng religiöses Pilgern, Politik und Machtinteressen im mittelalterlichen Europa miteinander verflochten waren.
